Niemandsland

NACHTGEDANKEN

Ich sitze im Schatten, meine Füße baumeln am Rand des Wahnsinns, während mein Körper stumm gelähmt die Agonie meiner Seele ignoriert.

Das ganze Leben jeden Tag neue Schuhe, doch immer dieselben Füße, täglich mehr Last zu tragen, weil immer schwerer wird der Kopf. Neue Schrauben für die Denkmaschine, eine jeden Tag, an manchen zwei, drücken sich fest in das Canadian-Club-getränkte Hirn, das die selbstproduzierten Gedanken aufsaugt, bis es platzt.

Es ist Nacht geworden, vor tausenden von Schrauben bereits. Viel zu dunkel ist es, die gebrochenen Füße zu sehen, die noch immer baumeln, als wären sie bereit, ein letztes Mal noch zu laufen, ein letztes Mal noch den Kopf zu tragen, wohin es ihn treibt.

Der Brille zum Trotz sehe ich nicht mehr, als wären die Augen auf ihre Lider gerichtet, Leinwände einer Vergangenheit, die die längst nicht mehr betenden Hände unfähig waren, festzuhalten.

Augenkino. Sie spielen "Leben", in der Hauptrolle eine eher traurige Figur, die frappant an mein Spielgelbild erinnert, das ich seit Jahren nicht begrüßt habe. Hinter der Brille sammelt sich eine Träne zum Sturm auf meine Wange, die bedeutungslos im nächsten Glas ertrinkt.

Nächstes Kapitel, die Spannung steigt. Die Zukunft des Hauptdarstellers steht auf dem Spiel. Ich hatte keine Ahnung, daß der Film interaktiv ist. Berieselung ist nicht trendy, bequemer doch in jedem Falle.

"DASEIN oder VERGANG? - Treffen Sie eine Entscheidung!"

Gläser später, eine Schraube war auch dabei, wagt die Träne einen neuen Anlauf, doch die Flasche ist noch nicht leer.

Die Denkmaschine hat eine neue Frage auf den Markt gebracht, die Antwort kostet einen Herzschlag. Ich weiß genau, ich kann nicht zahlen, die Schulden sind zu hoch. Ich kaufe trotzdem, Knochenbruch. Wer sein Herz verloren hat, bezahlt mit Schmerzen.

"Wir warten noch auf Ihre Antwort!", blitzt es von der Leinwand,

"DASEIN oder VERGANG? - Entscheiden Sie sich!"

Wenig Alternativen, was kostet dieses Programm? Noch ein Glas, während ich auf die Antwort warte. "Ein Quentchen Seele", teure Antwort, wenn man meine Schulden bedenkt. Wer führt hier eigentlich Regie? "Diese Antwort kostet einen Traum!" dröhnt eine virtuelle Stimme.
Wieder Knochenbruch, die Träume sind längst in der Vergangenheit verstaubt.

Schweren Herzens entscheide ich mich für "DASEIN" und suche meine Fernbedienung, die neben mir auf dem Boden liegt, wie ein letzter Gruß aus einer Welt, die ich schon vor dem Bau der Maschine hinter mir ließ.

Noch während ich mich nach ihr bücke, bricht mein Rücken, und ich falle bewegungslos durch die Leinwand hinter die Bühne. Klick.