Niemandsland

IN MEINEN TRÄUMEN

In meinen Träumen ist die Zeit stehengeblieben. Hier ist alles noch so, wie es damals war, bevor wir es zurückließen.

Wir sind Helden, Du und ich, wenn es auch nur für ein paar Stunden ist, ein paar Momente lang, die so schön sind, daß ich mich zügeln muß, um sie nicht für die Wirklichkeit zu halten.

Jeder Gedanke, jedes Wort, jeder Blick, alles wird von einem einzigen Gefühl getragen, das so stark ist, daß wir auf ihm bis ans Ende aller Zeit fliegen könnten.

Hier ist unsere Liebe noch lebendig, hierher hat sie sich geflüchtet, als ihr die reale Welt den Rücken kehrte und der Verlust unsere Herzen stürmte.

Hier ist möglich, was im Leben aussichtslos zu sein schien, hier gibt es keine Angst, verletzt zu werden, hier ist wahr, was vielleicht für immer Lüge bleibt.

Allein die Gewißheit, wie wichtig Du mir bist, nehme ich aus der Gegenwart des nackten Seins mit mir jede Nacht, den Rest lasse ich zurück, während ich die Augen schließe und mich uns hingebe.

Niemals hatte ich mehr Angst vor dem neuen Morgen, vor der dröhnenden Rückkehr des echten Verlustes, dessen verkrüppeltes Gebein ich den ganzen Tag lang zu tragen verdammt bin.

Niemals hatte ich mehr Angst, in den Spiegel zu blicken und mein eigenes versteinertes Gesicht zu sehen, aus dem mich von der Trauer geleerte Augen anblicken, nur um mir zu sagen, wie sehr sie Dich vermissen.

Und niemals habe ich mich mehr gehaßt für meinen Teil der Schuld, für meinen Anteil an der Zerstörung, die so tiefe Wunden in meine Seele schlug, daß sie zu verbluten droht.

Wenn es ein Traum bleiben soll, daß wir gemeinsam, Seite an Seite uns dem Leben stellen, so wünsche ich mir, verrückt zu werden, daß Traum und Realität für alle Zeit ihren Platz in meinem Kopf tauschen.