Niemandsland

FÜR UND WIDER

Im dunkel rauchgeschwängerten Raum, tränenschwer nachdenklich, sitze ich gottvergessen am Scheidepunkt, am Ende der Sackgasse, die sie Leben nennen. Leben, was war das noch gleich, es liegt mir auf der Zunge, doch will es mir nicht einfallen. So lange ich auch nachdenke, ich komme einfach nicht darauf.

Ein paar blasse Kindheitserinnerungen schlagen sich mit dem Schmerz der Erfahrung um das Bewußtsein, das ich vor Stunden verlor, genaugenommen vor Jahren schon, aber die Erinnerung ist zu verzerrt, als daß ich es genau nachhalten könnte.

Dumpf pochen die Narben der Zeit, die sinnberaubt, gedankenlos vergeudet. Ich habe Angst, doch selten bricht totes Gewebe ein zweites Mal auf, eher sucht sich der Schmerz einen neuen Weg durch weiches, unschuldiges Gewebe, um die geeignete Stelle für den nächsten Schnitt zu finden.

Ich beginne zu lächeln, als sich in meinem Kopf die Gewißheit eines tauben Herzens manifestiert, zu verkrustet, um einer neuen Wunde eine Heimat zu bieten.

Heroische Zufriedenheit breitet sich in mir aus. Wie nach einem linden-blattlosen Bad in Drachenblut träume ich vom Ende aller Verletzlichkeit, während das erste Für und das letzte Wider mich sanft der ersehnten Stille entgegentragen.